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Das Projekt "Learn to Learn" (L2L)

Digitale Werkzeuge zur Förderung von Fähigkeiten zum selbstregulierten Lernen

Eigenverantwortliches, selbstreguliertes, lebenslanges Lernen - das sind die heutigen Schlagwörter, wenn es um zeitgemässe Schulbildung in der digitalen Informationsgesellschaft geht.

Die Kompetenzen zum selbstregulierten Lernen, wie sie im Lehrplan 21 auch unter den überfachlichen (methodischen) Kompetenzen aufgeführt sind, werden durch Lehrpersonen in vielfältiger Form im Unterricht gefördert. Es ist jedoch eine grosse Herausforderung für die Lehrpersonen, in selbstgesteuerten Arbeitsphasen allen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden.

Digitale Werkzeuge können hier unterstützend wirken, um beispielsweise den eigenen Lern- und Zeitfortschritt besser sichtbar zu machen. Lernende können ausserdem in regelmässigen Abständen digitale Hinweise erhalten, die die Reflexion anregen und ihr Bewusstsein für den eigenen Lernprozess schärfen. In einer digitalen Lernumgebung existieren neue Möglichkeiten hinsichtlich der Formate, der Häufigkeit und des Timings solcher Hinweise, so dass Lernstrategien theoretisch systematisch eingeübt und verinnerlicht und so zukünftig auch ohne technische Unterstützung ganz intuitiv angewendet werden.

Die Studie untersucht, wie sich die Fähigkeiten zur Selbstregulation bei Schülerinnen und Schülern entwickeln. Dazu wurden für die Plattform LearningView sowohl eine umfangreiche Unterrichtseinheit als auch ein digitaler learn2learn-Assistent entwickelt und mit Schulklassen erprobt.

Aktuelles

Über das Projekt

Im Forschungsprojekt Learn-2-Learn geht es um die Frage, wie wir die Möglichkeiten digitaler Lernumgebungen nutzen können, um die Kompetenzen von Primarschülerinnen und -schülern beim selbstregulierten Lernen zu fördern. Damit ist gemeint, sein eigenes Lernen zu organisieren, zu dokumentieren und zu hinterfragen, eigene Strategien zu entwickeln und anzupassen.

Das Potenzial digitaler Lernumgebungen zur Förderung von Kompetenzen des selbstgesteuerten Lernens wird im Grundschulbereich bisher nicht ausreichend beachtet, obwohl gerade hier die Grundlagen für diese Kompetenzen gelegt werden (vgl. Hasselhorn, 2004; Janke & Hasselhorn, 2008). Lernmanagementsysteme bieten zahlreiche Möglichkeiten, selbstorganisierte Lernprozesse zu unterstützen, indem sie z.B. den Lernenden einen besseren Überblick über ihren Lernfortschritt verschaffen oder durch automatisiertes Feedback (Devolder et al., 2012). Darüber hinaus können den Lernenden digitale "Prompts" (z.B. Hinweise von einem Avatar) zur Verfügung gestellt werden, die ihr Bewusstsein für ihre Lernprozesse schärfen und die Reflexion anregen können (Belland et al., 2015; Engelmann et al., 2021; Zheng, 2016).

In der ersten qualitativen Phase dieses Projekts untersuchten wir die Herausforderungen, denen Grundschüler bei der Nutzung des digitalen Lernmanagementsystems "LearningView" gegenüberstehen. Dazu wurde eine NMG (Natur & Gesellschaft)-Unterrichtseinheit mit LearningView in zwei Klassen durchgeführt, welche mit persönlichen digitalen Geräten ausgestatteten waren. Dabei wurden Phasen des selbstgesteuerten Lernens von acht Schülerinnen und Schülern beobachtet (und auf Video aufgezeichnet). Die Videoaufnahmen wurden anschliessend analysiert, wobei der Schwerpunkt auf Aktivitäten zur Planung und Überwachung des Lernprozesses lag. Die Resultate dieser Studie wurden an der ECER 2019 Konferenz in Hamburg präsentiert.

In der zweiten Phase entwickelten wir eine Intervention zur Förderung des selbstgesteuerten Lernens (Learn2Learn) und haben diese in 20 Klassen der Jahrgangsstufen 5/6 getestet. Eingebettet in eine digital unterstützte Unterrichtseinheit in den Fächern Medien & Informatik (MI) und NMG wurden den Schülerinnen und Schülern Hilfsmittel zur Planung und Überwachung ihrer Lernaktivitäten zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurden "metakognitive Prompts" gegeben, welche dazu dienen, die Lernenden an die für ihren Lernprozess wichtigen Planungs- und Überwachungsaktivitäten zu erinnern. Die Entwicklung erfolgt durch ein Team von Experten aus der Lern- und Usability-Forschung, mit Fachdidaktiker/innen von NMG & MI, sowie mit Lehrer/innen der beteiligten Schulen. Vor, während und nach der Intervention werden Befragungen durchgeführt, um deren Wirksamkeit zu überprüfen. Zu diesem Zweck wurden bestehende Instrumente zur Messung des selbstregulierten Lernens (Vandevelde et al., 2013) und der Computer- und Informationskompetenz (Recherchieren, Analysieren und Präsentieren von Informationen, Aesert et al., 2015; Fraillon et al., 2015; Ifenthaler & Schweinbenz, 2016) weiterentwickelt und angepasst. Erste Resultate wurden an der EARLI 2021 Conference in Gothenburg (online) präsentiert.

Eine zentrale Erkenntnis ist, dass die Studierenden LearningView als Lernmanagementsystem als motivierend und unterstützend für ihr Lernen erleben. Darüber hinaus konnten wir, wie erhofft, Einblicke in eine Reihe spezifischer Herausforderungen gewinnen, die sich aus unseren Unterrichtsbeobachtungen ergaben. Diese Herausforderungen beziehen sich insbesondere auf die Aufgabenanalyse, die mangelnde Fokussierung auf die wichtigsten Arbeitsschritte, die Zeitüberwachung und in gewissem Masse auf die zusätzlichen kognitiven Anforderungen, die sich aus der notwendigen Integration von mündlichen und im System hinterlegten Anweisungen ergeben. In den Interviews zeigte sich, dass die Lernenden den potenziellen Einsatz digitaler Hilfsmittel für die Planung, das Zeitmanagement und das Verständnis des Stoffes als nützlich empfanden. Aktuell befinden wir uns in der Phase der detaillierten Auswertung qualitativer und quantitativer Daten.

Referenzen

Aesaert, K., van Braak, J., Van Nijlen, D., & Vanderlinde, R. (2015). Primary school pupils' ICT competences: Extensive model and scale development. Computers & Education, 81, 326-344.

Belland, B. R., Walker, A. E., Olsen, M. W., & Leary, H. (2015). A pilot meta-analysis of computer-based scaffolding in STEM education. Journal of Educational Technology & Society, 18(1), S. 183-197.

Devolder, A., van Braak, J., & Tondeur, J. (2012). Supporting self‐regulated learning in computer‐based learning environments: systematic review of effects of scaffolding in the domain of science education. Journal of Computer Assisted Learning, 28(6), S. 557-573.

Engelmann, K., Bannert, M., & Melzner, N. (2021). Do self-created metacognitive prompts promote short-and long-term effects in computer-based learning environments?. Research and Practice in Technology Enhanced Learning, 16(1), S. 1-21.

Fraillon, J., Schulz, W., Friedman, T., Ainley, J., & Gebhardt, E. (2015). International Computer and Information Literacy Study: ICILS 2013: Technical Report; Fraillon, J., Ainley, J., Schulz, W., Duckworth, D., & Friedman, T. (2019). IEA International Computer and Information Literacy Study 2018 assessment framework. Springer.

Hasselhorn, M. (2004). Individuelle Lernvoraussetzungen zwischen sechs und sechzehn Jahren: Allgemeine und differenzielle Entwicklungsveränderungen. In C. Aeberli (Hrsg.), Lehrmittel neu diskutiert (S. 1125). Zürich: Lehrmittelverlag des Kantons Zürich.

Ifenthaler, D., & Schweinbenz, V. (2016). Students' acceptance of tablet pcs in the classroom. Journal of Research on Technology in Education, 48(4), 306-321.

Janke, B. & Hasselhorn, M. (2008). Frühes Schulalter. In R. Silbereisen & M. Hasselhorn (Hrsg.), Entwicklungspsychologie des Säuglings- und Kindesalters (Vol. 4, S. 240296). Göttingen: Hogrefe.

Vandevelde, S., Van Keer, H., & Rosseel, Y. (2013). Measuring the complexity of upper primary school children’s self-regulated learning: A multi-component approach. Contemporary Educational Psychology, 38(4), 407-425.

Zheng, L. (2016). The effectiveness of self-regulated learning scaffolds on academic performance in computer-based learning environments: A meta-analysis. Asia Pacific Education Review, 17(2), 187-202.
The Learn2Learn research project addresses the possibilities of digital learning environments to promote the competencies of primary school students in self-regulated learning. This means organizing, documenting and questioning one's own learning, developing and adapting one's own strategies.

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